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16.02.2023
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Raus aus China? Nur wohin?
Guten Morgen Detlef Karl Klein,

Europa hat sich in eine gefÀhrliche AbhÀngigkeit von China manövriert. Zu viele Teile der Wirtschaft und allzu viele Branchen sind auf Zulieferung aus Fernost angewiesen. Doch diese AbhÀngigkeit zu reduzieren, ist leichter gesagt als getan. Zumal mit den USA nun ein altbekannter Konkurrent zu neuer Höchstform auflÀuft.

Mit Joe Bidens Inflation Reduction Act (IRA) ziehen die USA in den moralisch wie ökologisch hochwertigen Branchen der Elektro-MobilitĂ€t und Wasserstoff-Wirtschaft womöglich an Europa vorbei. Wer zu spĂ€t kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Besonders Ă€rgerlich ist dies, da Europa bei MobilitĂ€tswende und Wasserstoff lange die Nase vorn hatte, bevor es sich auf seinem langen Marsch ablenken ließ. FrĂŒh anfangen, dann aber nicht durchhalten– so ließe sich Europas Standortpolitik treffend beschreiben.

Unternehmerinnen und Unternehmen stellt das vor eine Gretchenfrage: Wie hÀltst du es mit China?

Einerseits braucht jeder China, andererseits legen Autokratie, Menschenrechtsverletzungen, geopolitische AggressivitĂ€t und steigende Kosten einen Exodus nahe. Schon lĂ€ngst ist China kein Billiglohnland mehr. Nun kommen noch die politischen Risiken hinzu. Niemand weiß, welche Schlussfolgerungen Staatschef Xi Jinping aus Putins Ukraine-Feldzug zieht. Sollte Peking sich entscheiden, Taiwan an die Gurgel zu gehen, möchte niemand mehr mit einer Fabrik in China erwischt werden. Bleiben oder gehen? Und wenn gehen, dann wohin? Geopolitik erreicht die Chefetagen mit lange nicht gekannter Wucht.

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Home-Shoring der Unternehmen: Die USA holt mit Subventions-Programmen die Industrie nach Hause © The Pioneer

Die USA haben ihre Schlussfolgerungen lĂ€ngst gezogen. Sie rufen zum Friendshoring auf, also zum Produzieren im Freundesland. Rund 50 Jahre nach Richard Nixons Kontaktaufnahme und 30 Jahre nach Bill Clintons entschlossener Aufnahme Chinas in die weltweite Wirtschaftsgemeinschaft ziehen die Amerikaner nun alle Register, um die Chinesen wieder vor die TĂŒr zu setzen.

Ein treffliches Instrument zum Kontern Chinas ist der 369 Milliarden Dollar schwere Inflation Reduction Act. VordergrĂŒndig dient er dem Inflationsabbau, mittelgrĂŒndig fördert er moderne Technologien, hintergrĂŒndig aber dienen diese Subventionen der Entkopplung von China.

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US-PrÀsident Joe Biden zieht alle Register: Unterzeichnung des Inflation Reduction Act (IRA) © AP / Susan Walsh

Wenn es nach den USA geht, dĂŒrfen die EuropĂ€er mitziehen. Doch was will Europa? Weiß Europa selbst, was in seinem besten Interesse liegt? Daran bestehen Zweifel. Denn allzu widersprĂŒchlich sind die Einflussfaktoren.

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Zwischen Sanktionen und Subventionen © The Pioneer

Noch zieht sich die europĂ€ische Industrie nicht aus China zurĂŒck. Schließlich florierten Chinas MĂ€rkte in den vergangenen 50 Jahren. Zudem sorgen gerade Skaleneffekte fĂŒr Kostensenkungen. Investitionen fließen weiter, wenn auch vor allem von einigen wenigen großen Unternehmen. Das Analysehaus Rhodium Group zeigt, dass zwischen 2018 und 2021 etwa 80 Prozent der europĂ€ischen Direktinvestitionen in China von nur zehn Unternehmen kamen.

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Marionetten des Xi? Europa ist abhÀngig von Rohstoffen und Vorprodukten aus China © The Pioneer

China ist zu groß und zu wichtig, um einfach so aufgegeben zu werden – too big to fail. Europa ist abhĂ€ngig von Rohstoffen, Vorprodukten und dem Absatzmarkt China. Da tut man sich mit RĂŒckzug schwer. Auch fehlen wirtschaftliche Anreize fĂŒr einen RĂŒckzug. Aufgeben kann man Asien schon deswegen nicht, weil die NĂ€he zu den MĂ€rkten Asiens wichtig ist. Alles zurĂŒck nach Europa zu holen, wĂŒrde den Abstand zu den dortigen Konsumenten vergrĂ¶ĂŸern. Gesucht werden Alternativen innerhalb Asiens. Und genau darum entbrennt ein innerasiatischer Wettbewerb.

 
Wo kann man sicher und verlÀsslich produzieren?
Wachstumsrate des Industriesektors im asiatisch-pazifischen Raum im Jahr 2020 nach LĂ€ndern
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Indien verfĂŒgt ĂŒber einen riesigen Binnenmarkt und einen großen Pool englischsprachiger Software-Entwickler. Counterpoint Research sieht noch einen langen Weg fĂŒr Indien, bis das Land mit der Produktionskraft und Effizient an China heranreichen kann. Mangelnde Infrastruktur und fehlende vor- und nachgelagerte Lieferketten sind nur zwei der Nachteile.

Apple will es trotzdem versuchen und legt vor. Bisher werden die neusten iPhone-Modelle von drei taiwanesischen Unternehmen – Winstron, Foxconn und Pegatron – in China zusammengebaut. Die modulare Bauweise des iPhone 14 macht eine fast simultane Produktion in Indien möglich. Laut Prognosen von JPMorgan könnte bereits 2025 jedes vierte iPhone in Indien gefertigt werden.

Doch nicht nur Indien prĂ€sentiert sich als Alternative zu China. Auch Vietnam bringt sich in Stellung: Bereits 2021 erhielt das Land Zusagen fĂŒr auslĂ€ndische Direktinvestitionen in Höhe von 31,15 Milliarden Dollar – ĂŒber neun Prozent mehr als im Vorjahr. Nike, Adidas und Samsung kĂŒndigten an, ihre Produktion von China nach Vietnam zu verlegen.

Das Land gibt sich alle MĂŒhe, eine interessante Alternative zu China darzustellen. AuslĂ€ndische Firmen mĂŒssen keine Joint Ventures mit lokalen Unternehmen betreiben, um tĂ€tig werden zu dĂŒrfen. Löhne liegen niedrig und die politische Lage ist stabil.

Außerdem bietet Vietnam Zollvorteile dank Handelsabkommen mit den USA und auch mit der EU. Sonst besitzt nur Singapur ein Freihandelsabkommen mit Europa.

Diese Kombination von Faktoren zieht europĂ€ische Unternehmen an: Der dĂ€nische Spielwarenhersteller Lego investierte 1,2 Milliarden in eine Fabrik in Vietnam. Auch der deutsche Reinigungsspezialist KĂ€rcher produziert in Vietnam fĂŒr den asiatischen Markt. Und die Beiersdorf-Marke Tesa eröffnet ihr erstes Werk in Nordvietnam – statt in China. Zudem schaut sich Viessmann nach einem geeigneten Standort um. Dies sind nur einige von vielen Beispielen. Auch chinesische Firmen produzieren inzwischen in Vietnam, um amerikanischen Sanktionen zu entgehen.

Nicht nur Vietnam profitiert von den Spannungen mit China. Auch Thailand entwickelt sich zu einem Produktionszentrum fĂŒr Autoteile, Fahrzeuge und Elektronik.

Sony erklĂ€rte bereits 2019, sein Smartphone-Werk in Peking aus KostengrĂŒnden zu schließen und einen Teil der Produktion nach Thailand zu verlagern. Der Druckerhersteller Sharp zieht mit einem Teil seiner Produktion ebenfalls nach Thailand um.

Und dann ist da auch noch Bangladesch. Schon bevor die Corona-Lockdowns den chinesischen Fertigungssektor lahmlegten, war Bangladesch ein aufsteigender Stern im Bekleidungssektor. Vor allem, weil die Löhne weit unter dem chinesischen Niveau liegen. Der durchschnittliche Monatslohn in Bangladesch betrĂ€gt 120 Dollar – ein FĂŒnftel des Gehalts eines chinesischen Fabrikarbeiters in Guangzhou.

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Ex-Außenminister Sigmar Gabriel beim World Briefing Live auf der Pioneer One in Berlin © Anne Hufnagl

Ist die Produktion in Europa eine Alternative zu Asien? Beim World Briefing Live an Bord der Pioneer One fasste der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel die Auswirkung treffend zusammen:

  Es wird nicht so effizient sein und es wird nicht so produktiv sein. “

Eine Umfrage unter deutschen und europĂ€ischen FĂŒhrungskrĂ€ften ergab, dass 86 Prozent der deutschen und 74 Prozent der europĂ€ischen Unternehmen planen, ihr GeschĂ€ft zu re- oder nearshoren. Um die hohen Personalkosten auszugleichen, wĂ€ren aber hohe Investitionen in die Automatisierung notwendig. 84 Prozent der befragten deutschen und 75 Prozent der europĂ€ischen Unternehmen wollen in den nĂ€chsten drei Jahren in Robotik und Automatisierung investieren, um Reshoring oder Nearshoring zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem um die Produktion fĂŒr den europĂ€ischen Markt, nicht fĂŒr den asiatischen.

 
Roboter als Retter: Automatisierung hilft bei der RĂŒckkehr nach Europa
Umfrage unter EntscheidungstrÀgern zu Re- und Nearshoring-PlÀnen sowie Kennzahlen zu Robotik
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TatsĂ€chlich produziert Deutschland vor allem im europĂ€ischen Ausland. Laut dem Branchenverband BDI finden 67 Prozent der Auslandsproduktion innerhalb Europas statt, der Großteil davon in der EuropĂ€ischen Union. China macht lediglich einen Anteil von 6,8 Prozent aus. Dazu passen auch die aktuellen deutschen Direktinvestitionen. Laut Bundesbank gingen im Jahr 2020 knapp 60 Prozent der deutschen Direktinvestitionen ins europĂ€ische Ausland.

Diese 6,8 Prozent auch noch nach Deutschland oder Europa zu holen, ist fĂŒr die meisten Unternehmen keine Option – zu teuer, zu bĂŒrokratisch, zu viele Auflagen. Außerdem prognostiziert das IFO, dass Deutschland zehn Prozent seiner Wirtschaftskraft einbĂŒĂŸen könnte, wenn wichtige IndustriegĂŒter nur noch hier produziert wĂŒrden.

 
Reshoring: Doch keine so gute Idee?
Auswirkungen von Re- und Nearshoring auf das BIP und das Bruttohaushaltseinkommen, in Prozent
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Was ist sie also noch wert, die glorreiche Globalisierung? Noch ist es zu frĂŒh, ein endgĂŒltiges Verdikt zu sprechen. Sicher ist heute nur: Produktion wird dezentralisiert, um Risiken der Ballung abzufedern. Doch Dezentralisierung kann auch global stattfinden. Dezentralisierung findet gerade massiv statt, Deglobalisierung hingegen könnte ein leeres Schlagwort bleiben.

2023 Tech briefing kapiteltrenner - Interview

GĂŒlsah Wilke ist die GrĂŒnderin der Initiative 2hearts – einem Netzwerk fĂŒr junge Menschen mit Migrationsgeschichte, die in der Tech-Welt die Karriereleiter steil nach oben klettern wollen. Bei 2hearts finden FachkrĂ€fte aus dem Ausland oder Talente, die bereits in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben, UnterstĂŒtzung, Gleichgesinnte, Mentoren und Inspiration.

  Wir wollen die Menschen sein, die wir selbst vor Jahren gebraucht hĂ€tten. “

Auf der anderen Seite des Atlantik, in den USA, wurde bereits 2018 jedes zweite Einhorn von GrĂŒndern und GrĂŒnderinnen mit Migrationshintergrund gegrĂŒndet. GĂŒlsah Wilke wĂŒnscht sich auch in Deutschland ein besseres GrĂŒndungs-Umfeld:

  Wir brauchen weniger BĂŒrokratie und mĂŒssen sprachliche Barrieren abbauen. “

Ganz wichtig ist GĂŒlsah dabei:

  Deutschland als UniversitĂ€ts-Standort noch attraktiver machen. “

Welche Rahmenbedingungen brauchen Startups, um in Deutschland und Europa erfolgreich Innovationen voranzutreiben? Und wie kann Deutschland fĂŒr FachkrĂ€fte aus dem Ausland, aber auch fĂŒr Talente mit Migrationsgeschichte attraktiver werden? DarĂŒber spricht GĂŒlsah Wilke in der Female Founders Edition des Tech Briefing Interviews.

20230216 TB BC GĂŒlsah Wilke Kachel
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Tech Briefing Kapiteltrenner 2023 Kommentar

1. FĂŒhrerschein? Nein danke. Immer mehr junge Leute verabschieden sich vom Fahrersitz und lassen lieber fahren

No THNX
Nein danke: Erdachtes Nummernschild eines FĂŒhrerschein-Verweigerers in einer Illustration der New York Times. © Washington Post

Die Vereinigten Staaten – das Land der unendlichen Freiheit, der schnurgeraden Landstraßen, des eigenen Autos im Driveway, der Route 66. Individuelle MobilitĂ€t ohne AbhĂ€ngigkeit von irgendjemandem bildete lange einen Kernbaustein der amerikanischen IdentitĂ€t. Doch mit einer neuen Generation scheint sich dies nun zu Ă€ndern. DarĂŒber berichtet die New York Times in einem Bericht mit dem Titel „‘I’ll call an Uber or 911’: Why Gen Z doesn’t want to drive”. Zu Deutsch: „Ich rufe mir einen Uber oder gleich die Polizei: Warum Generation Z nicht mehr selbst Auto fahren möchte.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Noch im Jahr 1997 besaßen in den USA 43 Prozent der 16-JĂ€hrigen und 62 Prozent der 17-JĂ€hrigen einen FĂŒhrerschein. Im Jahr 2020 waren diese Werte auf 25 respektive 45 Prozent gefallen. „Viele junge Leute legen keinen Wert mehr darauf, ihren FĂŒhrerschein so frĂŒh wie möglich zu machen”, sagt Mark Friedlander vom Verband der Versicherungsunternehmen (Insurance Information Institute). Auch bei Ă€lteren JahrgĂ€ngen verliert der FĂŒhrerschein an AttraktivitĂ€t. Vor einem Vierteljahrhundert besaßen 90 Prozent der Altersgruppe 20 bis 25 in den USA einen FĂŒhrerschein. Jetzt sind es nur noch 80 Prozent. Tendenz fallend.

FĂŒr Wirtschaftsunternehmen bedeutet dieser Trend: MobilitĂ€tsdienstleistungen liegen im Aufwind. Hier lauern Marktchancen. Wer nicht mehr selbst fahren kann, muss sich fahren lassen, um beweglich zu sein. Nicht nur in den USA wĂ€chst der Hunger nach Fahrdiensten. Auch in den Metropolen Deutschlands und Europas trĂ€gt sich Ähnliches zu.

2. Apple hat sich wieder einmal neu erfunden und macht fast 80 Milliarden Dollar Umsatz mit Dienstleistungen

Tim Cook
Mann ohne eigene Ideen? Von wegen! Apple-Chef Tim Cook vor der Konzernzentrale in Cupertino. © Spiegel

Ein Unternehmen erfolgreich zu steuern, bedeutet nichts anderes, als sich stÀndig neu zu erfinden. Was gestern noch den Löwenanteil der UmsÀtze brachte, sollte morgen schon eine Nebensparte sein. Nur so lÀsst sich sicherstellen, dass der Zeitgeist nicht links und rechts an den eigenen Produkten vorbeizieht. Wenige andere Unternehmen haben dieses Prinzip so gut verstanden wie Apple. Und kaum ein anderer CEO hat seinen Konzern so konsequent auf Neuerfindung getrimmt wie Apple-Chef Tim Cook.

Noch vor einigen Jahren hatte Cook Lachen und Stirnrunzeln geerntet, als er verkĂŒndete, Apple zu einem Dienstleistungsunternehmen ausbauen zu wollen. Vielen erschien das abwegig. Apple – das war die brillante Kombination von Hardware und Software. Was hatten Dienstleistungen damit zu tun? Inzwischen sind die Kritiker verstummt und Tim Cook hat recht behalten.

Nach Analysen des Informationsportals Finbold hat Apple im vergangenen Jahr 79,4 Milliarden Dollar Umsatz mit Dienstleistungen erzielt. Damit stellt es nun die GesamtumsÀtze von Firmen wie Intel, Nike und Boeing in den Schatten. Die UmsÀtze mit Hard- und Software sind dabei nicht mitgerechnet.

Wie schafft es Apple, knapp 80 Milliarden Dollar mit Dienstleistungen zu erwirtschaften? Dahinter stecken vor allem die Produktlinien Apple Cloud, Apple TV, App Store, Apple Music, Arcade und Fitness+. Die meisten dieser GeschĂ€fte hatten Hohn und Spott auf sich gezogen, als sie gegrĂŒndet wurden. Wie wollte Apple jemals gegen Netflix, Disney, Spotify, Playstation und Nike ankommen? Nur bei Cloud und App Store war Apple selbst der Pionier. Inzwischen verstummen die Kritiker. Es kommt eben nicht darauf an, dass man einen Markt als erster betritt. Sondern, dass man es am besten macht.

3. Fallende Preise und Skaleneffekte: Elektroautos könnten noch in diesem Jahr PreisparitÀt mit Verbrennern erreichen

Elektroauto beim Laden
Elektroauto beim Laden: Erst teures LiebhaberstĂŒck, bald schon erschwinglich fĂŒr alle. © The New York Times

Elektroautos sind ein teures VergnĂŒgen. Sein gutes Gewissen muss man sich gutes Geld kosten lassen. Ohne Subventionen brechen die Absatzzahlen schnell ein. Dies war lange die gĂ€ngige Interpretation. Und die Zahlen aus Deutschland und Europa scheinen dieser Lesart recht zu geben. Seitdem die staatlichen ZuschĂŒsse fĂŒr Elektroautos reduziert wurden, kaufen die Konsumenten lieber wieder Benziner.

Das Bild könnte sich jedoch schnell wandeln, wenn Elektroautos preislich gĂŒnstiger werden als Verbrenner. Dann entscheidet nicht mehr das Gewissen, sondern das Portemonnaie. Neue Daten aus den USA weisen darauf hin, dass PreisparitĂ€t schneller erreicht werden könnte als bisher vermutet. Fallende Rohstoffpreise und einsetzende Skaleneffekte machen es möglich. Tesla, GM, Ford, Volkswagen, Nissan, Hyundai – sie alle investieren massiv in neue Fabriken. So tun es auch ihre Zulieferer.

General Motors hat jetzt angekĂŒndigt, dass sein im Herbst erscheinendes Elektro-Modell Equinox mit 30.000 Dollar rund 3.400 Dollar preiswerter sein wird als die Benzin-Version. Und nach Teslas jĂŒngsten Preissenkungen kostet das Model 3 jetzt 300 Dollar weniger als BMWs 3er als Verbrenner.

Skaleneffekte der Industrialisierung werden oft unterschÀtzt. Auf dem Markt der Elektroautos könnte sich das bald einmal mehr bewahrheiten.

4. GefĂ€hrliche Unterwanderung? Mehrheitschef des US-Senats denkt laut ĂŒber das Verbot von TikTok nach

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Influencer bei TikTok: Aufbauhelfer chinesischer Macht ĂŒber virtuelle Welten. © Iroin

Wie gefÀhrlich ist TikTok? Unterwandert China mithilfe des populÀren Social-Media-Dienstes die amerikanische Gesellschaft? Sollte die Regierung TikTok verbieten? Landen die Daten allzu schnell in den HÀnden der maliziösen Regierung um Xi Jinping?

Chuck Schumer, US-Senator aus New York und MehrheitsfĂŒhrer des Senats, hat in der ABC-Sendung „This Week” nun klare Worte gefunden. „Wir sollten uns ein Verbot anschauen”, sagte er. „Das Unternehmen hinter TikTok befindet sich in chinesischer Hand. Einige Vertreter des Wirtschaftsausschusses schauen sich das gerade genau an. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.”

So harmlos diese Worte klingen, so gewichtig sind sie. Schumer ist Politprofi genug, um vorsichtige Worte zu wĂ€hlen, bevor er kraftvoll zuschlĂ€gt. Als Demokrat gehört er PrĂ€sident Joe Bidens Partei an, und ebenso wie jener vertritt er einen harten Kurs gegenĂŒber China.

Massiver Widerstand von Lobbyisten und TikTok-Fans steht zu erwarten. Doch auch wenn ein Verbot auf sich warten lassen dĂŒrfte, ergeben sich hier Marktchancen fĂŒr TikTok-Wettbewerber. Auch fĂŒr Europas Unternehmen könnten die Karten neu gemischt werden. Wenn es je eine gute Zeit fĂŒr TikTok-Klone gab, dann ist sie jetzt.

20230216 TB BC Chuck Schumer
Chuck Schumer: Nein zu TikTok © Greg Nash

Tech Briefing Kapiteltrenner 2023 Cookie
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TB Kapiteltrenner Follow-up

Sollte KĂŒnstliche Intelligenz reguliert werden? Ja, findet die Chef-Entwicklerin von ChatGPT.

Mira Murati weiß, wovon sie spricht. Die 34-JĂ€hrige ist schließlich Chief Technology Officer bei OpenAI, dem mit fast 30 Milliarden Dollar bewerteten KI-Unternehmen hinter ChatGPT. Murati sprach mit dem Time Magazine ĂŒber die SchwĂ€chen und die eindrucksvollen Möglichkeiten der Software und warum KI reguliert werden sollte. Auch beim Tech Briefing haben wir uns intensiv mit den Nutzungspotenzialen des Chatbots beschĂ€ftigt. Mehr dazu hier.

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ChatGPT: Die nĂ€chste Generation der KĂŒnstlichen Intelligenz
Was kann der neue KI-Chatbot und wie wird er unseren Alltag verÀndern?
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Tech Briefing Kapiteltrenner 2023 News Monitor

Bergrecht-Reform und Lithium-Vorkommen: Der EU Critical Raw Materials Act soll Genehmigungen fĂŒr Projekte in der EU vereinfacht und hohe Umwelt- und Sozialstandards etablieren. Auch das Bundeswirtschaftsministerium will den heimischen Bergbau ökologischer gestalten. Passend dazu: Im Oberrheingraben will Vulcan Energy Resources mit einem Zero-Carbon-Lithium-Projekt ab Ende 2025 jĂ€hrlich 24.000 Tonnen Lithium abbauen.

Bahn-Bauarbeiten stören den Flugverkehr: Bei Schienen-Arbeiten der Deutschen Bahn wurden Glasfaser-Kabel der Telekom beschÀdigt. Betroffen vom Internet-Ausfall waren am Mittwoch die FluggÀste der Lufthansa am Frankfurter Flughafen und Kunden der Telekom im Norden Frankfurts.

Tech Briefing Kapiteltrenner 2023 - Kurzschluss

Krieg der Sterne 1945: Die US Navy feuerte 300 SchĂŒsse auf ein ballonförmiges Flugobjekt ab. Es war die Venus.

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Fehlalarm: Das mysteriöse Flugobjekt war keine japanische Ballonbombe, sondern die Venus © US Naval Institute / The Pioneer

Ballons und nicht identifizierte Flugobjekte tauchen derzeit ĂŒberall auf. Neben den vier bisher ĂŒber den USA und Kanada abgeschossenen Objekten bereitet China nach eigenen Angaben den Abschuss eines Objekts in seinem Luftraum vor. Aus gegebenem Anlass twitterte das U.S. Naval Institute ĂŒber eine eigene historische Begegnung mit einem mysteriösen Flugobjekt.

Es war das Jahr 1945. Die Besatzung an Bord des Kriegsschiffs USS New York nahm eine vermeintliche japanische Ballonbombe am Himmel ins Visier. Es folgte ein regelrechter Kugelhagel. Trotzdem gelang es ihnen nicht, das Objekt auch nur zu touchieren. Kein Wunder, denn es stellte sich heraus, dass sie 300 Schuss auf den Planeten Venus abgefeuert hatten. Sie zielten also 82 Millionen Kilometer zu tief.

Lanson B. Ditto, der auf dem Schiff diente, witzelte spĂ€ter darĂŒber.

  KĂŒrzlich habe ich Satellitenbilder der Venus gesehen und es sind Einbuchtungen zu sehen. Vielleicht haben wir also doch unser Ziel getroffen. “

Fazit: Venus 1, USS New York 0.

Damit verabschieden wir uns von Ihnen

Herzliche GrĂŒĂŸe

Unterschrift Christoph Keese
Christoph Keese
Tech Briefing Host
Unterschrift Lena Waltle
Lena Waltle
Tech Briefing Redakteurin
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