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23.05.2022
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Guten Morgen Detlef Karl Klein,

in Berlin und Hamburg, in Passau und Husum, überall in Deutschland geht das Alltagsleben weiter: Der Bäcker backt. Der Maurer mauert. Der Lehrer lehrt. Alles sieht aus wie immer.

Doch in unserem Innern tobt ein Sturm. Die Geschichte hat sich mit schwarzem Pinsel in unser Leben eingemischt. Ein böses Wort ist vom Auslandsteil der Zeitung auf ihre Frontseite vorgerückt: KRIEG steht da jetzt, als sei es das Natürlichste der Welt.

Die Talkshows werden neuerdings bevölkert von Militärexperten. Die Rüstungsfirmen fahren Sonderschichten. Die Augen des russischen Präsidenten haben sich zu Schießscharten verengt. Auch unser Kanzler trägt ernste Miene.

Später im Geschichtsbuch wird es mit der Kühle des Chronisten heißen: Die Nachkriegszeit ging am Morgen des 24. Februar 2022 um 4:30 zu Ende.

Die Frage lautet nicht: Wird der Ukraine-Konflikt bleiben? Sondern: Wird der große europäische Krieg kommen?

 
Der Tag vor der Invasion
Die Lage in der Ukraine am 23. Februar
Die Lage in der Ukraine am 23. Februar
 

 
Erster Kriegstag: Russische Truppen rücken ein
Die Lage in der Ukraine am 24. Februar
Die Lage in der Ukraine am 24. Februar
 

Noch haben wir unsere eigene Fassungslosigkeit nicht überwunden. Seit dem 24. Februar führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat bestritten. Nun schlängelt sich ein 800 km langer Frontverlauf durch das geografisch zweitgrößte Land Europas.

Auf die Medienindustrie wirkt das Ganze wie ein Aufputschmittel. CNN berichtet mittlerweile mit rund 200 Journalisten, Technikern und eigenen Fahrern aus dem Kriegsgebiet – mehr als der Spiegel in Deutschland Redakteure hat. Der Krieg ist eben auch ein Geschäft; und der große Krieg ist ein großes Geschäft.

 
Geländegewinne für russische Truppen
Die Lage in der Ukraine am 1. April
Die Lage in der Ukraine am 1. April
 

Ohne dass es dafür eines Parteitagsbeschlusses oder eines Regierungsdekrets bedurft hätte, verändert sich unter dem Druck der Ereignisse auch unsere Gesellschaft. „The Summer of Love“, das lange Nachklingen von Woodstock, der Duft von Flower Power im politischen Raum, all das verflüchtigt sich nun. Von weiter her hört man Joan Baez mit der Akustikgitarre in der Hand:

„Sag mir wo die Blumen sind,

Wo sind sie geblieben.

Sag mir wo die Blumen sind,

Was ist geschehen?“

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Annalena Baerbock © dpa

Das Erkennungszeichen der früheren Grünen war die Sonnenblume. Das Erkennungszeichen der neuen grünen Außenministerin ist die kugelsichere Weste.

Die Firmen mit dem größten Investitionsetat im Lande sind nicht mehr Mercedes oder Siemens, sondern die Bundeswehr. Die Verteidigungsministerin darf nunmehr 150 Milliarden Euro ausgeben, derweil die Bildungsministerin sich mit 20,3 Milliarden Euro, und damit mit 500 Millionen Euro weniger als in 2021, begnügen muss. Der Staat hat seine Prioritäten neu sortiert.

Die Medien schulen derweil ihre Zuschauer und Leser hastig um von Virologie auf Militarismus. Das Franz Josef Strauß Wort von der „Lufthoheit über den Stammtischen“ hat seinen metaphorischen Körper abgestreift und begründet eine neue Normalität in den Wirtshäusern und Firmenkantinen, die der Philosoph Peter Sloterdijk in ironisch-distanzierender Absicht als „gesunden Bellizismus“ bezeichnet.

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Anton Hofreiter © dpa

Anton Hofreiter – einer dieser neuen, vermeintlich „gesunden Bellizisten“ – mag es nicht anders ergehen als im Ersten Weltkrieg dem jungen Sebastian Haffner, der in „Geschichte eines Deutschen“ beschreibt wie er seine Leidenschaft für die Schaukästen mit den Heeresberichten entdeckte. Was er da las, war der Fortsetzungsroman eines aus den Angeln der Routine gerissenen Lebens:

  Feindliche Durchbruchsversuche abgewiesen. “

  Vorstoß bis zu 30 km Tiefe. “

  Feindliche Stellungen zertrümmert. “

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Wolodymyr Selenskyj © dpa

Unsere heutigen Heeresberichte stammen aus der Feder von Wolodymyr Selenskyj und der Schaukasten heißt Internet. Zuweilen im Stundentakt meldet er gegnerische Verluste, spricht von zurück eroberten Teilgebieten und verkündete dann am Wochenende den finalen Schlag: Die Ukraine habe der russischen Armee „das Rückgrat gebrochen“, sagte Selenskyj in einem am Samstag ausgestrahlten Fernsehinterview:

  Sie werden die nächsten Jahre nicht mehr auf die Beine kommen. “

 
Russischer Teilrückzug
Die Lage in der Ukraine am 13. April
20220523-ec-mediapioneer-russischer Teilrückzug ohne
 

Doch der alte Satz „Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit“ galt für den Ersten Weltkrieg, galt für Hitlers Krieg und gilt auch für Putins Krieg. Schöngeredet, frisiert und gelogen wird – und zwar auf beiden Seiten der Frontlinie. Damit wir die Enttäuschungen des jungen Sebastian Haffner („Ich warte tatsächlich auf den Endsieg“) nicht wiederholen müssen, sollten wir uns mit der Wirklichkeit beschäftigen, auch dann, wenn sie schmerzhaft ist.

Wer mit der langjährigen Leiterin des Nato Foresight Teams, Dr. Stefanie Babst, spricht, der bis vor Kurzem ranghöchsten Frau in der europäischen Nato, kommt zu gänzlich anderen Erkenntnissen als Selenskyj. Demnach hat die Ukraine keineswegs der russischen Armee das Rückgrat gebrochen, sondern – im Gegenteil – sie wird von eben jener Armee erwürgt. Frau Babst spricht von der Boa-Constrictor-​​Strategie:

  Die Russen sind von drei Seiten auf die Ukraine losgestürmt und versuchen jetzt nicht nur militärisch die ukrainischen Streitkräfte zu dezimieren, sondern auch mit wirtschaftlichen Mitteln die Versorgungslinien abzuschneiden. Man sieht das ganz deutlich im Süden am Asowschen Meer und am Schwarzen Meer: Drei Hafenstädte wurden bereits eingenommen. Die letzte noch verbleibende freie ukrainische Hafenstadt Odessa liegt unter Belagerung. “

Podcast mit Stefanie Babst - 23.05.2022
Klick aufs Bild führt zur Podcast-Page

Sie erläutert den tieferen Sinn dieser militärischen Operation:

  Das bedeutet, dass es für die Ukraine keine Handelsmöglichkeiten mehr gibt. Die Häfen sind blockiert, vermint und vor dem Hafen von Odessa lauern die russischen Kriegsschiffe. Das ist eine ziemlich prekäre Situation, auch für die weitere zentrale Versorgung der Ukraine. “

 
Mariupol: Die dritte Hafenstadt fällt
Die Lage in der Ukraine am 18. Mai
20220523-ec-mediapioneer-Mariupol: Die dritte Hafenstadt fällt
 

Zählt man die ebenfalls besetzten Republiken Donezk und Luhansk im Südosten der Ukraine und die bereits 2014 von Russland eroberte Krim dazu, dann, sagt Frau Babst, bleibt nur noch ein ukrainischer Rumpfstaat übrig. Das sei das eigentliche Ziel der russischen Generalität:

  Russland will die Ukraine in einen Rumpfstaat verwandeln, ohne Anbindung zur See und ohne die wirklich sehr wichtige industrielle östliche Basis, also im Donbass. “

 
Rumpfstaat Ukraine: Das Boa-Constrictor-Szenario
Die Lage in der Ukraine am 22. Mai
Die Lage in der Ukraine am 22. Mai
 

Zugleich stoße Russland immer wieder militärisch auch in den Westen der Ukraine vor, mit dem aus ihrer Sicht klaren Ziel:

  Die russische Regierung möchte damit das Stresslevel in der ukrainischen Bevölkerung weiter hoch halten. Es ist schrecklich, unter andauerndem Beschuss oder Sirenenalarm zu leben. “

Das Signal wirkt. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind bereits 6,2 Millionen Ukrainer geflohen. Der ukrainische Rumpfstaat entkräftet sich.

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Dr. Stefanie Babst © Imago

Im Moment können wir nur hoffen, dass die Sache anders ausgeht und dem Westen die Desillusionierung des jungen Sebastian Haffner erspart bleibt. Als der damals Elfjährige am Kiosk die Bedingungen zur Beendigung des Ersten Weltkrieges las, sprachen sie, so erinnerte er sich, „erbarmungslos die Sprache der Niederlage“. Und weiter:

  Niederlage: Dass es so etwas auch für uns geben konnte - und zwar nicht als Zwischenfall, sondern als Endergebnis von lauter Siegen und Siegen - mein Kopf fasste es nicht. Die ganze Welt war mir fremd und unheimlich geworden. “

Kapiteltrenner: Pioneer Week 

Dieses Ende der Nachkriegszeit ist kein Grund zum Feiern. Aber es ist ein Grund, innezuhalten. Und es ist ein Grund, gerade jetzt unsere Informationsgewohnheiten zu überdenken. Reicht das Flüchtige noch? Genügt es, dass eigene Gehirn weiterhin mit den Gedankenfetzen der TV-Talkshows zu füttern?

Was eigentlich sind meine, Ihre Quellen der Information. Ich glaube:

Demokratie braucht Fakten.

Demokratie braucht verschiedene Meinungen.

Demokratie braucht Sie.

20220523-ec-mediapioneer-Die Demokratie braucht dich

Und deshalb will ich Ihnen heute morgen einen Vorschlag machen. Nutzen Sie unser Angebot an Fakten und Meinungen. Genießen Sie eine Woche kostenfrei unsere Newsletter und die aufwendigen Podcast-Produktionen: Hauptstadt - Das Briefing von Michael Bröcker und Gordon Repinski. Der Achte Tag mit Alev Doğan. Das World Briefing mit Sigmar Gabriel und Chelsea Spieker. Das Tech Briefing mit Lena Waltle und Christoph Keese. Das Investment Briefing von und mit Annette Weisbach. Der Literatur-Podcast Edle Federn mit Deutschlands derzeit erfolgreichster Autorin Juli Zeh. Und der Ökonomen-Podcast Feld und Haucap, der uns am Diskurs der beiden Ökonomen Prof. Lars Feld und Prof. Justus Haucap teilhaben lässt.

Das ist unser Geschenk zum zweijährigen Bestehen von The Pioneer an Sie. Am Ende dieser Pioneer-Woche würde mich Ihr Feedback interessieren. Zögern Sie nicht, mir zu schreiben: g.steingart@mediapioneer.com

20220523-ec-mediapioneer-Pioneer Week Unser unabhägiger Journalismus eine Woche frei für alle

Kapiteltrenner Olaf Scholz in Afrika

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Olaf Scholz fliegt nach Afrika © dpa

Seit Wochen spekuliert die Republik, wann Kanzler Scholz sich wohl auf den Weg in die Ukraine machen wird. Doch stattdessen wacht der Kanzler heute in Afrika auf.

Scholz besucht in drei Tagen drei afrikanische Länder: Senegal, Niger, Südafrika. Zwei davon sind Gastländer des G-7 Gipfels im Juni in Deutschland. Die Gepflogenheiten sehen vor, dass der Kanzler ihnen vorab persönlich die Ehre erweist. Pioneer Vize-Chefredakteur Gordon Repinski ist mit dem Kanzler in der Regierungsmaschine unterwegs und gestern im Senegal gelandet.

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Gordon Repinski begleitet Olaf Scholz auf seiner Afrikareise nach Senegal, Niger und Südafrika. © Gordon Repinski

Doch auch wenn die Ukraine-Krise geografisch weit entfernt ist, verfolgen der Krieg und seine Folgen Scholz selbst bis an die Westspitze Afrikas. Das Land produziert LNG-Gas, das neue flüssige Gold der Welt in Kriegszeiten. Gordon berichtet im Pioneer Podcast, was Scholz vorhat und in welcher Verfasstheit er ihn – nach zwei wuchtigen Wahlniederlagen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen – im Regierungsflieger erlebt hat.

 
Scholz in Afrika
Reiseroute von Olaf Scholz
Reiseroute von Olaf Scholz
 

20220523-ec-mediapioneer-Diesseits von Afrika

Kapiteltrenner Wachstum

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Lars Feld © dpa

Deutliche Wachstumsverlangsamung und hohe Inflation - Prof. Dr. Lars Feld, der ehemalige Chef des Sachverständigenrats und heutige Chefberater von Finanzminister Christian Lindner, spricht von Stagflation. Er widerspricht damit der EZB, die dieses Schreckgespenst noch nicht in Deutschland oder der Eurozone umhergehen sieht.

Doch Prof. Feld ist kein Apokalyptiker, sondern ein Ökonom mit Gestaltungsdrang. Zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Justus Haucap hat er eine Liste von fünf Maßnahmen erstellt, um die stagflationäre Entwicklung aufzuhalten:

Lars Feld:

  Platz 1 ist bei mir eindeutig die Inflationsbekämpfung von Seiten der Geldpolitik. Zweitens sollten wir im Bereich der Angebotspolitik eine Kapazitätsauslastung ermöglichen, also eine deutliche Entbürokratisierung für die Wirtschaft, sprich: Deregulierung. “
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Justus Haucap © dpa

Justus Haucap ergänzt die Punkte 3 und 4:

  Kurzfristig gilt es, bei den Lohnverhandlungen maßzuhalten. Und: Die Arbeitsmarktpolitik muss so gestaltet werden, dass die Leute am Arbeitsmarkt teilnehmen. “

Und zu guter Letzt ergänzt Feld noch Punkt 5 als eine große Aufgabe an die Politik:

  Wir brauchen neue Handelsabkommen. “

Mit Liebe zum Detail wird dieses Wachstums- und Krisen-Verhinderungsprogramm von den beiden Pioneer-Chefökonomen in der aktuellen Ausgabe ihres Podcasts Feld & Haucap vorgestellt.

Prädikat: Wertvoll für alle, die an Wohlstand und Wachstum ein Interesse haben.

20220523-ec-mediapioneer-Fünf Maßnahmen gegen Stagflation

Kapiteltrenner Bitcoin
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Nayib Bukele © Imago

El Salvador hat vor rund einem Jahr Bitcoin als legale Währung eingeführt. Mit dem Crash der Kryptowährung steht das mittelamerikanische Land nun kurz vor einer Staatspleite. El Salvador hatte schon vor der Einführung des Bitcoin einen großen Schuldenberg und ist mit fast 100 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet.

Seit dem vergangenen Jahr hat das Land Schätzungen zufolge rund 2300 Bitcoins mit Steuergeldern gekauft. Zu welchem Preis es die gekauft hat und wie groß entsprechend der Kursverlust ist, ist nicht genau bekannt. Fest steht allerdings: Bitcoin hat seit dem letzten Jahr rund 50 Prozent an Wert verloren. Im schlimmsten Fall hat El Salvador also etwa 70 Millionen Dollar an Steuergeldern vernichtet.

20220523-ec-imago-Demonstrant auf einer regierungskritischen Anti-Bitcoin-Veranstaltung in San Salvador, El Salvador
Demonstrant auf einer regierungskritischen Anti-Bitcoin-Veranstaltung in San Salvador, El Salvador. © Imago

Nächsten Monat sind rund 40 Millionen Dollar an Schulden fällig. Kommenden Januar müssen 800 Millionen Dollar auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Der Internationale Währungsfonds würde El Salvador nur unter die Arme greifen, wenn sich das Land von dem Projekt Bitcoin wieder verabschiedet.

Fazit: Diese staatliche Bitcoin-Spekulation ist die teuerste Imagekampagne der Weltgeschichte - mit erschütterndem Ergebnis. Nun sind die Staatsfinanzen und das Image von Nayib Bukele zeitgleich ramponiert.

Kapiteltrenner Abtreibung

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Nancy Pelosi © dpa

Solange sich Nancy Pelosi öffentlich für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche einsetzt, ist die praktizierende Katholikin von der heiligen Kommunion in ihrer Heimatstadt San Francisco ausgeschlossen. So verkündete es der US-Erzbischof Salvatore Cordileone und bezeichnete Pelosis Haltung als „großes Übel“, als „Skandal“ und „Verletzung ihrer eigenen Seele“.

Getreu der katholischen Kirche sieht Cordileone in der Abtreibung eine schlimme Sünde, die dem Schutz des ungeborenen Lebens entgegensteht. Er tritt außerdem als Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen auf und behauptete, sich keiner Coronaimpfung unterziehen zu wollen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ranghohe Politiker der Vereinigten Staaten und die katholische Kirche über das Abtreibungsrecht in Konflikt geraten. Auch Präsident Biden weigerte sich, seine politische Agenda in der Abtreibungsfrage an die kirchliche Linie zu knüpfen und tritt stattdessen für ein liberales Abtreibungsrecht ein. Als Konsequenz für dessen Haltung forderten hohe Vertreter der katholischen Kirche den Ausschluss Bidens von der heiligen Kommunion. Doch der Papst griff mäßigend ein: Laut Franziskus sei die Kommunion schließlich keine Belohnung der Heiligen, sondern das Brot der Sünder.

20220523-ec-mediapioneer-Sie lesen die exklusive Business Class Edition des Pioneer Briefings bis zum 30. Mai frei.

Kapiteltrenner Trump

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Donald Trump © dpa

Ex-Präsident Donald Trump macht Ernst: Mit seinem eigenen Medienkonzern möchte er Twitter und Co. Konkurrenz machen. Nachdem er von Twitter verbannt wurde, gründete er schon 2021 sein eigenes soziales Netzwerk, „Truth Social”. Dieses soll nun von der Zweckgesellschaft Digital World Acquisition Corp. übernommen und damit an die Börse gebracht werden. Nach der Fusion soll dann nur noch die Trump Media & Technology Group, der aktuelle Eigentümer der Plattform, mit Trump als Chairman bestehen bleiben.

200 Millionen Follower sind laut Trump für „Truth Social“ über verschiedene Soziale Medien bereits mobilisiert worden. Bisher mangelt es jedoch an Beweisen dafür, dass diese Anhänger sein neues Medium auch tatsächlich nutzen werden. Die Plattform selbst besuchen Schätzungen zufolge pro Woche nur 1,9 Millionen Nutzer.

Dies ist vor allem deshalb kritisch, da das Konzept des Mediums ausschließlich auf Trump ausgerichtet ist. Der will mehr sein als nur Aktienhalter. So verpflichtet der Gründer sich vertraglich dazu, seine Äußerungen künftig exklusiv über Truth Social zu verbreiten. „Fox News“ gegenüber sagte Trump:

  Truth Social wird eine Stimme für mich, kein anderer kann sie bekommen. “

Aus dem Börsenprospekt geht aber hervor, dass ihm die Möglichkeit zur Äußerung auf anderen Plattformen weiterhin offensteht. Er habe lediglich zu beachten, dass diese auch über Truth Social publiziert werden müssen und die Plattform gegebenenfalls für sechs Stunden die Exklusivität der Inhalte beantragen könne. Weitere Ausnahmen sind für politische Äußerungen, wie etwa Wahlaufrufe, vorgesehen.

Der Erfolg des Unternehmens hängt also in besonderem Maße vom Interesse der Bevölkerung am ehemaligen US-Präsidenten ab. Eine heikle Sache. Selbst im Börsenprospekt wird preisgegeben, dass bisher kein Businessplan vorliegt. An Investoren mangelte es bisher dennoch nicht, über eine Milliarde Dollar will die Firma bei privaten Investoren, die genauer nicht genannt werden, eingesammelt haben. Die Digital World Acquisition Group informierte ihre Investoren wiederum vor der anstehenden Übernahme über das besondere Risiko:

  Eine Reihe von Unternehmen, die mit Präsident Trump in Verbindung gebracht werden, haben Konkurs angemeldet. Es kann nicht garantiert werden, dass die Trump Media & Technology Group nicht auch in Konkurs geht. “
20220523-ec-mediapioneer-Der Wahrheit verpflichtet.

Kapiteltrenner Ernährung

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Sara Menker © dpa

Die Lage am internationale Weizenmarkt spitzt sich zu: Krieg, Dürre und Exportbeschränkungen tragen dazu bei, dass die Versorgungssicherheit für Millionen Menschen bedroht ist. Sara Menker, Geschäftsführerin des Agraranalyseunternehmens Gro Intelligence, erklärte am Freitag vor dem UN-Sicherheitsrat:

  Wir haben derzeit nur noch Vorräte für zehn Wochen des weltweiten Verbrauchs auf Lager. “

Die Lagerbestände für Getreide seien weltweit so niedrig wie nie zuvor. Vier Tatsachen bedeuten den perfekten Sturm:

1. Die Nahrungsmittelversorgung ist bereits durch Corona angeschlagen. Die Pandemie hat sowohl die Arbeit in der Landwirtschaft als auch die Versorgungsketten unterbrochen.


2. Der Krieg hat die Exporte aus der Ukraine fast komplett beendet. Die russischen Truppen haben Lagerbestände in dem Land, das für neun Prozent des weltweiten Weizens sorgt, zerstört, die Bauern mussten fliehen und ihre Felder zurücklassen.

 
Ukraine: Brotkorb der EU
Anteil der Ukraine an der weltweiten Exportmenge ausgewählter Lebensmittel 2022, in Prozent
Anteil der Ukraine an der weltweiten Exportmenge ausgewählter Lebensmittel 2022, in Prozent
 

3. Auch die russischen Exporte sind eingeschränkt, dafür sorgen die westlichen Sanktionen. Russland ist mit 19 Prozent des Weltmarkts der größte Exporteur von Weizen und sorgt zusammen mit der Ukraine für fast ein Achtel der im Jahr konsumierten Kalorien weltweit. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind fast 50 Länder für mehr als 30 Prozent ihrer Weizeneinfuhren entweder von Russland oder der Ukraine oder von beiden abhängig; bei 26 von ihnen liegt der Anteil bei über 50 Prozent.

 
Russland: Exportnation für Weizen
Anteil Russlands an der weltweiten Exportmenge ausgewählter Lebensmittel 2022, in Prozent
Anteil Russlands an der weltweiten Exportmenge ausgewählter Lebensmittel 2022, in Prozent
 

4. In Indien, mit 1,4 Milliarden Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, ist es oft zu heiß, um Landwirtschaft zu betreiben. Am 13. Mai verhängte die indische Regierung deshalb ein Exportverbot für Weizen, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Kein Einzelfall: Derzeit gibt es 26 Länder, die strenge Beschränkungen für die Ausfuhr von Lebensmitteln erlassen haben. In den meisten Fällen handelt es sich um völlige Verbote. Die verschiedenen Maßnahmen betreffen 15 Prozent der weltweit gehandelten Kalorien.

Dabei ist es gerade der offene Handel, der die Welt ernährt. Einigen Schätzungen zufolge leben vier Fünftel der Weltbevölkerung in Ländern, die Nettoimporteure von Nahrungsmitteln sind. Mehr als 20 Prozent der Kalorien und mehr als 18 Prozent des Getreides der Welt überqueren auf dem Weg vom Acker zum Teller mindestens eine Grenze.

Fazit: Die sich anbahnende Hungersnot ist die am besten prognostizierbare Hungersnot der Weltgeschichte.

 Kapiteltrenner: Termine der Woche

Montag

Die Bahn und zahlreiche regionale Verkehrsverbünde starten den Verkauf des 9-Euro-Tickets.

US-Präsident Joe Biden trifft im Rahmen seines Besuchs in Japan Kaiser Naruhito und Ministerpräsident Fumio Kishida.

Dienstag

Nächster Stopp auf Scholz’ Afrika-Tour ist heute Südafrika.

Die Bundesärztekammer startet in den 126. Ärztetag. Die Hauptversammlung der Kammer, das „Parlament der Ärzteschaft“, dient der Erarbeitung von Berufsordnungen sowie Positionen zu aktuellen gesundheits- und sozialpolitischen Themen.

Der Energiekonzern Shell lädt zur Hauptversammlung ein. Die Aktionäre haben zu feiern: Shell verbuchte dank hoher Energiepreise im ersten Quartal des Jahres einen Rekordgewinn.

Mittwoch

Das Statistische Bundesamt gibt die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2022 bekannt.

Zur Hauptversammlung laden die Tech-Konzerne Amazon, Meta und Twitter.

In Berlin treffen sich die G7-Energieminister und beraten zur Lage in der Ukraine.

20220523-ec-mediapioneer-Gif Wahrheit gibt es nur zu zweien 2 Jahre Media Pioneer

Donnerstag

Der gesetzliche Feiertag Christi Himmelfahrt gedenkt im christlichen Glauben der Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Deshalb ist das der perfekte „Vatertag“.

Der chinesische Online-Gigant Alibaba präsentiert seine Zahlen für das gesamte abgelaufene Geschäftsjahr. Gründer Jack Ma hat zu kämpfen. Sein Gegner: Die eigene Regierung.

Freitag

Olaf Scholz besucht den 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart. Der Bundeskanzler wird sich zum Thema „Leben teilen“ äußern. Er muss seine Fähigkeit zur gehaltvollen und emotionalen Rede beweisen; bisher nicht seine Spezialdisziplin.

Kapiteltrenner Verkehrte Welt

20220523-image-dpa-mb-Eine holländische Musikkapelle spielt auf dem Weihnachtsmarkt in Solingen
Eine holländische Musikkapelle spielt auf dem Weihnachtsmarkt in Solingen © dpa

Glühwein und gebrannte Mandeln bei 20 Grad im Sonnenschein: In Solingen wurde der wegen Corona ausgefallene Weihnachtsmarkt nachgeholt. Die Schlittschuhbahn sorgte für Winteratmosphäre. Die Transformation der Weihnachtszeit in den Sommer liegt im Trend unserer Zeit: Wenn es Fake-News gibt, warum soll es dann nicht auch Fake-Gefühle geben.

Wenn es jetzt noch gelingt, den Weihnachtsmarkt und das Ostereier-Sammeln zu einer einzigen, dann eben hybriden Veranstaltung zu verschmelzen, hat die McKinsey-Gesellschaft gewonnen. Alles kann man schließlich effektiver gestalten – warum nicht auch die Tradition.

Ich wünsche Ihnen einen humorvollen Start in die neue Frühlingswoche.

Es grüßt Sie auf das Herzlichste,

Ihr

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Gabor Steingart
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